Sozialismus

im 19. Jahrhundert entstandene Staatsund Gesellschaftslehre, die nicht an den Interessen des einzelnen oder einzelner Gruppen oder Klassen, sondern am Wohl des Ganzen orientiert ist. Wird heute in den verschiedensten Ausprägungen vertreten, die von einer Reform des kapitalistischen Wirtschaftssystems bis zu einem Umsturz der auf ihm beruhenden Gesellschaftsordnung reicht, wobei der S. als Vorstufe zum Kommunismus angesehen wird.

ist ein wirtschaftlich-politisches System, das vor allem durch starke Einschränkung des Privateigentums gekennzeichnet ist. In der Theorie von Karl Marx ist S. der geschichtsnotwendig eintretende Vollendungszustand der Menschheit, in dem es weder Staat noch Privateigentum gibt und in dem die Bedürfnisse der Menschen als Ergebnis ihrer Arbeit gleichmässig befriedigt werden (utopischer S.) Zwischenstation auf dem Weg dazu ist die Diktatur des Proletariats, in der die Arbeiterklasse den Staat beherrscht, um die Privilegien der vorher herrschenden Klasse (Bürgertum) zu beseitigen, in allen Menschen das sozialistische Bewusstsein zu schaffen und so den Übergang zur klassenlosen Gesellschaft des S. einzuleiten. Vom S. zu unterscheiden ist der Sozialdemokratismus, der die Diktatur des Proletariats ablehnt und auf demokratischem Weg die sozialen Verhältnisse verbessern will.

ist die im 19. Jh. ausgebildete Staatslehre und Gesellschaftslehre, die sich statt am individuellen Wohl des Einzelmenschen am Gesamtwohl der Allgemeinheit orientiert. Die Zielsetzung des S. ist im Einzelnen sehr unterschiedlich (Sozialisierung, Vollbeschäftigung, Wirtschaftsplanung, Gleichheit, Abbau von Privilegien). Der S. steht vor allem in Gegensatz zum Liberalismus und zum Kapitalismus. Lit.: Adler, G., Geschichte des Sozialismus und Kommunismus von Plato bis zur Gegenwart, 3. A. 1931; Müller, //., Ursprung und Geschichte des Wortes Sozialismus und seiner Verwandten, 1967

ist in der BRep. kein gesetzlicher Begriff (im Gegensatz zu den früher sozialistischen Ländern, wo er häufig gleichbedeutend mit Kommunismus in dessen jeweiliger Ausprägung verwendet wurde). Politisch umfasst er z. T. sehr unterschiedliche Staats- und Gesellschaftsmodelle, denen u. a. der mehr oder weniger ausgeprägte Gedanke des Abbaus sozialer Schranken und der Beschränkung oder Beseitigung wirtschaftlicher Macht in privater Hand (Sozialisierung, Kommunalisierung) eigen ist. Organisatorisch reichen die Modelle von der parlamentarischen Demokratie westlicher Prägung mit starker Betonung des sozialen Gedankens („Demokratischer S.“) bis zu verschiedenen Formen des Rätesystems und zum kommunistischen Staat.






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