Utilitarismus

(lat.), die von Bentham und J. St. Mül vertretene Moral-Theorie: die Moralprinzipien werden auf eine allgemeine soziale Wohlfahrt als dem obersten Gebot der Moral zurückgeführt (Leitsatz: Alle Menschen erstreben ihr eigenes Glück).

ist die von Bentham (1748-1832) und Mill systematisierte sozialphilosophische Lehre, die eine Handlung nach ihrer Nützlichkeit (Utilität) für den Menschen bewertet. Lit.: Gesang, B., Eine Verteidigung des Utilitarismus, 2003

Utilitaristische Auffassungen spielten bereits in Humes Ethik eine wichtige Rolle, doch erst im 19. Jahrhundert wurden sie zu einem geschlossenen ethischen System ausgebaut, vor allem von Jeremy Bentham (1748-1832; An Introduction to the Principles of Morals and Legislation, 1789), James Mill (1773-1836) und John Stuart Mill (1806-1873), den sog. Utilitarians, die „gut” mit „nützlich” identifizierten und als nützlich betrachteten, was — insgesamt ein Höchstmaß an Glück erzeugt. Nach Bentham ist eine Handlung dann richtig, ein Gesetz dann gerecht, wenn es das größte Glück der größten Zahl von Personen befördert (utility principle).
John Stuart Mill hat den Standpunkt präzisiert und relativiert: Das Glück, das den utilitaristischen Maßstab des moralisch richtig Handelnden darstellt, ist das Glück aller Betroffener. Der Utilitarismus fordert von jedem Handelnden, zwischen seinem eigenen Glück und dem der anderen mit ebenso strenger Unparteilichkeit zu entscheiden wie ein unbeteiligter und wohlwollender Zuschauer. In der goldenen Regel sei der Geist der Nützlichkeitsethik vollendet ausgesprochen. Die Forderung, sich dem andern gegenüber so zu verhalten, wie man möchte, dass er sich einem selbst gegenüber verhalte und den Nächsten zu lieben wie sich selbst, stellten die utilitaristische Moral in ihrer höchsten Vollkommenheit dar. Um sich diesem Ideal so weit wie möglich anzunähern, fordert das Nützlichkeitsprinzip erstens, dass Gesetze und gesellschaftliche Verhältnisse das Glück oder die Interessen jedes Einzelnen so weit wie möglich mit dem Interesse des Ganzen in Übereinstimmung bringen; und zweitens, dass Erziehung und öffentliche Meinung, die einen so gewaltigen Einfluss auf die menschlichen Gesinnungen haben, diesen Einfluss dazu verwenden, in der Seele jedes Einzelnen eine unauflösliche Verbindung herzustellen zwischen dem eigenen Glück und dem Wohl des Ganzen.
Der Utilitarismus hat großen Einfluss auf die moderne amerikanische Rechtswissenschaft gewonnen (amerikanischer Realismus; Roscoe Pound). Die deutsche Interessenjurisprudenz hat eher wenig mit dem Utilitarismus zu tun.






Vorheriger Fachbegriff: Usus modernus pandectarum | Nächster Fachbegriff: utriusque iuris


Status der Seite: Auf aktuellem Stand. Nach Überprüfung freigegeben.

 


 

Copyright 2014 Rechtslexikon.net - All rights reserved. Impressum Datenschutzbestimmungen Nutzungsbestimmungen